Du weißt: Es muss sich etwas in deinem Unternehmen verändern.
In diesem Artikel erfährst du, was.

Das Unternehmen ist das Spiegelbild des Unternehmers

Mein Herz fing an zu stolpern. Ich bekam kalte Schweißausbrüche. Mein erster Gedanke: Herzinfarkt.

Meine Frau hat mich sofort in die Notaufnahme gebracht.

Der Arzt hat mich untersucht, alles gecheckt und mich dann angeschaut: Alles okay. Zu viel Stress. Fahren Sie in den Urlaub.

Also sind wir nach Sylt gefahren. Erster Urlaub seit mehreren Jahren.

Ich stand am Strand, das Handy am Ohr, während mein Sohn eine Sandburg baute und meine Frau im Strandkorb saß.

Wirklich anwesend war ich zu diesem Zeitpunkt nicht. Ich war so darauf fixiert, die Probleme meiner Mitarbeiter und meines Unternehmens zu lösen, dass ich den strahlenden Sonnenschein und das glitzernde Meer nicht wahrgenommen habe.

Als das Telefon zum ersten Mal für ein paar Minuten still stand, bin ich zu meinem Sohn gegangen. Er schaute mich mit großen Augen von unten an und fragte:

„Papa, wann spielst Du eigentlich mal mit mir?“

Der nächste Stich im Herzen.

Wir sind nach Hause gefahren, aber alles war wie vorher. Dieselbe Unternehmensführung, dieselben Probleme im Unternehmen, dieselbe Unruhe abends am Schreibtisch.

Der Urlaub hatte nichts verändert, weil ich nichts verändert hatte

Was ich damals noch nicht verstanden hatte: Mein Unternehmen hatte mir die ganze Zeit gezeigt, was in mir nicht stimmte. Denn das Unternehmen ist das Spiegelbild des Unternehmers. Ich hatte es nur nicht erkannt.

Was im Unternehmen sichtbar wird, hat seinen Ursprung im Unternehmer selbst. Das gilt für große Entscheidungen genauso wie für kleine alltägliche Muster. Und es gilt für jeden Unternehmer, nicht nur für mich.

Meine teuerste Entscheidung als Unternehmer war die, die ich nicht getroffen habe

Einer meiner Geschäftsbereiche war seit einiger Zeit defizitär. Ich wusste es, die Zahlen waren eindeutig und die Entscheidung war eigentlich klar. Trotzdem habe ich sie nicht getroffen.

Ich hatte drei wichtige Kunden, die Leistungen aus meinen drei Geschäftsbereichen in Anspruch nahmen, also auch aus dem defizitären. Die Vorstellung ihnen zu sagen, dass ich diesen Bereich schließe, hat mich zurückgehalten. Also habe ich abgewartet, Verluste durch mehr Verkauf aufzufangen versucht, Szenarien durchgerechnet, Gespräche verschoben und gehofft, dass sich irgendetwas von selbst löst. Anderthalb Jahre lang.

Irgendwann war die Entscheidung nicht mehr aufzuschieben. Ich bin zu jedem betroffenen Kunden persönlich hingefahren und habe es ihnen gesagt. Einer von ihnen schaute mich an und sagte: „Jetzt bist du erleichtert, dass es raus ist, oder?“ Er hatte recht. Alle Kunden sind geblieben.

Was mich aufgehalten hatte waren die Gespräche, die ich im Kopf durchgespielt hatte und die nie so stattgefunden haben. Das Spiegelbild zeigte mir meine eigene Angst, ich hatte sie nur nicht als solche erkannt.

Ein Unternehmer hat unbewusst sein Ziel sabotiert

Ich habe ein ähnliches Muster bei einem Tischler erlebt, den ich als Unternehmercoach begleitet habe. Er wollte nur noch Küchen bauen, hochwertig, planbarer Umsatz, mit Kunden, die ihn weiterempfehlen. Die ersten Anfragen kamen bereits und die Richtung stimmte. Und trotzdem fuhr er jedes Mal hin, wenn ein Stammkunde anrief. Eine kleine Reparatur, nicht der Rede wert.

Als ich ihn fragte, was ihn davon abhält Nein zu sagen, hat er nicht lange überlegt. „Hier kennt jeder jeden. Was sollen die Leute denken, wenn ich sie beim Einkaufen treffe. Wir haben hier in der Region eine Tradition mit den alten Leistungen. Das hat schon mein Vater alles so gemacht.“

Ich habe zugehört. Und dann habe ich ihn gefragt, wann er das letzte Mal mit einem dieser Menschen gesprochen hat. Ob jemand von ihnen je gesagt hat, dass er keine Küchen bauen darf.

Er schwieg.

Die Menschen, die ihn aufhielten, existierten alleine in seinem Kopf. Keine konkreten Gesichter, keine konkreten Aussagen. Eine Masse aus Erwartungen, die er sich selbst zusammengebaut hatte, aus alten Gewohnheiten und einem Bild von Unternehmertum, das er glaubte schützen zu müssen. Auch das war ein Spiegelbild. Sein Unternehmen zeigte ihm, was er in sich selbst noch nicht aufgelöst hatte.

Harmoniebedürfnis als Unternehmer ist der Nährboden für Frustration

Ein weiteres Muster kenne ich ebenfalls aus eigener Erfahrung. Ich hatte eine Halbtagskraft in meinem Team, die morgens arbeiten wollte. Ich habe ja gesagt, obwohl es an vielen Tagen hilfreicher gewesen wäre, sie am Nachmittag dabeizuhaben. Einem anderen Mitarbeiter habe ich einen spontanen Urlaubstag genehmigt, obwohl seine Vertretung krank war.

Solche Entscheidungen traf ich nicht nur einmal, es passierte regelmäßig. Ich wollte, dass es meinen Mitarbeitern gut geht und hatte jedes Mal das Gefühl, das Richtige zu tun.

Was ich dabei nicht gesehen habe: Am Ende des Tages war ich erschöpft und frustriert.

Ich hatte das Gefühl, dass alle an sich denken und ich alles ausbügle. Dass das ein Muster meiner Unternehmensführung war, habe ich erst in der Arbeit mit einem Unternehmercoach verstanden. Es war für mich so selbstverständlich, dass ich es nie hinterfragt hatte. Das Muster und meine Unternehmensführung liefen auf Autopilot.

Irgendwann kam ein Mitarbeiter und fragte, ob er am nächsten Tag zwei Stunden später kommen könnte, weil ein Handwerker zu ihm nach Hause kam. Eine kleine Bitte, eigentlich kein großes Thema. Ich bin explodiert und im selben Moment waren wir beide entsetzt.

Ich habe in dem Moment nicht auf ihn reagiert. Ich habe auf die anderthalb Monate davor reagiert.

Auch das war das Spiegelbild. Mein Unternehmen hat mir gezeigt, was ich in mir selbst noch nicht gelöst hatte: Mein Bedürfnis nach Harmonie, das mich erschöpfte, mein Muster in meiner Unternehmensführung, das auf Autopilot lief, ohne dass ich es je bewusst gewählt hatte.

In allen drei Fällen lag die Ursache nicht im Außen, im Unternehmen. Sie lag im Unternehmer selbst, sie hat sich lediglich im Unternehmen gezeigt. Das ist das Prinzip hinter allem, was ich in meiner Arbeit erlebe.

Das Unternehmen ist das Spiegelbild des Unternehmers.

Was im Unternehmen nicht stimmt zeigt, was im Unternehmer noch ungelöst ist. Und gleichzeitig zeigt sich, wo der eigentliche Hebel in der eigenen Unternehmensführung sitzt.

Wer das Spiegelbild seines Unternehmens verändern will, fängt bei sich selbst an.

Jeden Samstag schreibe ich darüber in meinem Wochenend-Impuls. Aus eigener Erfahrung und aus meiner Arbeit mit Unternehmern.

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